Wie wählt man die richtigen Rezensionsleser aus?


Diese Frage wurde mir von meinen Autorenkollegen recht häufig gestellt, also habe ich spontan beschlossen, einen Blogbeitrag zu diesem Thema zu verfassen.

Rezensionsleser sind Personen, in der Regel Buchbloggerinnen (ich gendere sonst nicht, aber da, laut Selfpublisher Bibel, 4 von 5 weiblich sind, ist es ggf. angemessen), denen man als Autor sein Buch zukommen lassen kann. In meinem Falle habe ich ihnen signierte Rezensionsexemplare kostenlos zur Verfügung gestellt. Als ich das tat, wusste ich nicht, wie ich dabei vorgehen sollte und ob ich überhaupt genug potenzielle Leser finden würde. Eine Erfahrung kann ich an dieser Stelle vorab teilen: Man findet immer Rezensionsleser, denn kaum ein Buchblogger wird auf ein kostenloses signiertes Exemplar verzichten. 

Die Frage, wieso ein Selfpublisher überhaupt auf Rezensionsleser zurückgreifen sollte, ist schnell beantwortet: Wir brauchen Rezensionen, um in den Rankings aufzusteigen. Das Buchangebot ist riesig und niemand möchte Zeit und Geld für ein enttäuschendes Buch verschwenden. Bei der Auswahl spielen die Rezensionen eine sehr große Rolle. Nicht rezensierte Bücher oder Bücher mit vielen negativen Bewertungen sind für viele Leser kein Risiko wert. Wir brauchen also möglichst viele gute Bewertungen, um die Reichweite unserer Bücher zu vergrößern, denn gleich, ob man aus Spaß an der Freude veröffentlicht, oder ob man langfristig plant, davon zu leben – wir alle wollen, dass unsere Bücher gut bei den Lesern ankommen. Wir wollen Erfolg. Es ist nicht verwerflich, dazu zu stehen. 

Man könnte einwerfen, dass man auch auf Gefälligkeitsrezensionen zurückgreifen könnte. Das kann man, aber erfahrene Leser erkennen diese recht schnell. Werden Gefälligkeitsrezensionen nicht als solche erkannt und das Buch schließlich auch noch als wenig gelungen wahrgenommen, fühlt sich der Leser hintergangen (was er ja auch wurde). So kassiert man sehr schnell Ein-Stern-Bewertungen. Wenn das passiert, kann man nicht mehr mit vielen Verkäufen rechnen. 

Abgesehen davon, werden die Rezensionen der Buchbloggerinnen auch auf ihren eigenen Blogs hochgeladen.  Diese Blogs haben teilweise eine sehr große Reichweite. Buchbloggerinnen sind die Trendsetter von heute – ihre Leser vertrauen ihrem Urteil. Solche Blogs werden abonniert, um sich für Bucheinkäufe inspirieren zu lassen. Wenn eine Buchbloggerin ein Buch positiv rezensiert, dann kann man ganz sicher mit weiteren Verkäufen rechnen. Buchbloggerinnen sind Kritiker, die helfen können, uns einen Namen zu machen, aber das Gegenteil kann auch der Fall sein, wenn ihnen unsere Bücher missfallen. Genau deshalb ist es so wichtig, die richtigen Buchbloggerinnen zu erreichen. Zumindest ganz am Anfang. Jeder Autor erhält eines Tages schlechte Rezensionen. Es bleibt nur zu hoffen, dass sie spät genug kommen, damit sie einem Erstlingsautor nicht das Genickt brechen.

Als ich auf der Suche nach Rezensionslesern war, habe ich einen entsprenden Beitrag bei Instagram hochgeladen. Letztlich musste ich ihn nach wenigen Stunden löschen, denn sofort hatte ich mehr Anfragen, als ich es erwartet hätte. 

Aus meiner heutigen Erfahrung, muss ich sagen, dass ich verdammt viel Glück hatte, bei diesem Vorgehen, nicht auf die Schnauze geflogen zu sein, denn ich habe im Grunde einfach jedem, der sich gemeldet hat, ein Exemplar geschickt, soweit die Person volljährig war (die letzte Voraussetzung hat rechtliche Gründe). 

Besser ist es, in meinen Augen, die Buchblogger, die euch sympathisch erscheinen, selbst direkt anzuschreiben. Es ist wichtig, ihre Rezensionen zu lesen, um zu sehen, ob euch ihre Bewertungskriterien zusagen. Manche haben ein anderes Punktesystem als Amazon (so vergibt „Die Buchfluesterin“ [https://www.diebuchfluesterin.com/] einen Extra-Stern für "phantastisch"). Es gibt auch Buchblogger, die Selfpublisher aus Prinzip ablehnen und Buchblogger, die gezielt Selfpublisher unterstützen (so wie z. B. https://www.diebuchfluesterin.com/). Entsprechend sieht oftmals die Einstellung ihrer Abonnenten aus. All diese Variablen kann man in Erfahrung bringen, wenn man die entsprechenden Blogs besucht.

Welche Auswahlkriterien sind aus meiner heutigen Sicht besonders wichtig? 


1. Das bevorzugte Genre der Buchbloggerin

Dieses erkennt man häufig schon am Namen der jeweiligen Blogs („dunkles Kapitel“ [ https://dunkleskapitel.com/ ], „Thrillerkiste“ [ http://thrillerkiste.blogspot.de/ ] ). Wenn man einen Thriller geschrieben hat, sollte man sich besser nicht bei jemandem melden, der sich auf New Adult oder Fantasy spezialisiert hat. Buchblogger haben Vorlieben wie alle anderen Leser auch und wenn man in einem Genre schreibt, das ihnen nicht zusagt, hat man schlechte Karten. Als ich kurz vor der Veröffentlichung diese Sorge äußerte, sagte man mir, die potenziellen Rezensionsleser würden darauf achten, dass sie nur Bücher annehmen, die sie wirklich interessieren. Jedoch erhält ein Rezensionsleser meistens nicht viele Informationen über das entsprechende Buch. Auch wenn man noch vor der Veröffentlichung viele Informationen streut, so ist man nicht der einzige Autor, dem ein Buchblogger folgt. Nicht jeder Beitrag wird gesehen, nicht alle wichtigen Informationen kann man selbst posten. Deshalb kann der Autor selbst noch am besten einschätzen, wessen Geschmack sein Werk am ehesten trifft.


2.      Wie geht die Buchbloggerin mit Bücher um, die ihr nicht gefallen haben?

Ich habe so oft Kommentare wie „dieses Buch ist nur etwas für die Mülltonne“ oder „dieses Buch ist einfach nur schlecht“ gelesen. Derartige Bemerkungen sind respektlos und mit einem hohen Risiko verbunden, dass – sollte der Buchbloggerin euer Buch nicht gefallen – eine schlechte Rezension in den Raum gestellt wird. 4 Sterne bei Amazon in einer gut begründeten Bewertung wirken authentisch. Ein Stern mit einem respektlosen Satz kann negative Konsequenzen für die Veröffentlichung haben. Zudem steckt in jedem Buch das Herzblut des Autors. Gleich, wie schlecht das Buch auch sein mag – man sollte nicht beleidigend werden und die Arbeit des Menschen, der hinter dem Buch steht, mit Respekt behandeln. Anders verhält es sich natürlich mit scherzhaften Rezensionen zu bekannten Autoren, denen ein bisschen Geläster bei Instagram nicht wehtut. Wer aber unbekannte Neuerscheinungen vernichtend schlecht bewertet, sollte genauer unter die Lupe genommen werden. Tatsächlich habe ich nach Übersicht vernichtender Rezensionen bei Amazon die „Blick ins Buch“-Funktion genutzt, um zu sehen, ob die Buchbloggerin nur fies war oder ob ihr lediglich die Optionen zu schweigen und ehrlich zu sein geblieben waren. Jede Buchbloggerin gibt irgendwann negative Rezensionen. Sind sie nachvollziehbar, macht sie lediglich ihren Job.


3.      Die Bewertungskriterien

Wenn man weiß, dass man keine durch und durch sympathischen Protagonisten hat, sollte man Buchbloggerinnen meiden, die besonders viel Wert auf sympathische Protagonisten legen. Wer veröffentlicht, nachdem nur seine Oma drübergelesen hat, ohne zumindest ein Korrektorat beauftragt zu haben, sollte von besonders anspruchsvollen Lesern Abstand nehmen. Es gibt tatsächlich Buchbloggerinnen, die Autoren, die des Wissens über Zeichensetzung nicht mächtig sind, fünf Sterne geben und es gibt Leser, die das nicht stört. Findet man die richtge Leser-Nische, kommt man mit vielen Patzern durch.


4.      Buchbloggerinnen empfehlen lassen

Wer Kollegen hat, die bereits Rezensionen erhalten haben, kann diese um Rat ersuchen. Viele Autoren hatten bereits Rezensenten, mit denen sie zufrieden waren. Auch ich empfehle inzwischen Rezensenten weiter. Ich kenne meine Rezensionsleser, stehe mit ihnen im Austausch, lasse mir ihre Eindrücke schildern. Somit weiß ich, welche Bücher die jeweilige Buchbloggerin mag und kann so – wenn ich die Arbeitsweise des Autors kenne – gelegentlich eine passende Buchbloggerin empfehlen. Davon profitiert Autor und Bloggerin zugleich.


5.      Beachten, wer bereits positiv auf die Informationen zum Buch reagiert hat

Das geht natürlich nur, wenn man Informationen über sein Projekt preisgibt. Wer hat viele positive Kommentare auf die Zitate oder die Leseproben aus dem Buch hinterlassen? Wer fragte immer wieder danach, wann endlich das Buch erscheint? Wenn jemand ein solches Interesse am Projekt zeigt, stehen die Chancen gut, dass es dieser Person gefallen wird. So wusste ich noch lange vor der ersten Veröffentlichung, dass „Zeilentraumfänger“ [ http://zeilentraumfaenger.blogspot.de/ ] zu meinen ersten Rezensenten gehören würde (wenn sie damit einverstanden gewesen wäre und sie war es).


6.      Reichweite beachten?

Das Fragezeichen steht dort aus gutem Grund. Es stellt sich die Frage, ob man versuchen sollte, Bloggerinnen mit der größten Reichweite einzubeziehen oder auch Rezensionsexemplare an Personen herauszugeben, die keine weitreichende Werbung machen werden. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit bekannten und weniger bekannten Buchbloggerinnen sowie mit Autoren und mit Personen, die nicht bloggen gemacht. Viele Rezensionen sind für mich Gold wert, obwohl sie faktisch nichts weiter als einen Bruchteil der Gesamtbewertung ausmachen. Es sind einfach so unfassbar tolle Worte, die potenzielle Leser hoffentlich sehen werden. Natürlich sind bekannte Buchbloggerinnen effizienter, wenn es darum geht, Werbung für das Buch zu machen, aber wer weiß, wo die weniger bekannten Buchbloggerinnen in einem Jahr stehen werden und wie oft man noch von ihnen erwähnt werden wird, weil man einen hervorragenden Eindruck bei ihnen hinterlassen hat?

Ich bin jedenfalls froh, auch mit Nicht-Bloggerinnen und denen, die gerade erst damit angefangen haben, zusammengearbeitet zu haben. Wie man die Rezensenten auswählt, bleibt aber natürlich jedem selbst überlassen.



Und wenn die Rezensionen schlecht ausfallen? Da weiß ich keinen besseren Rat, als kurz nach der Veröffentlichung eine umfassende Auswahl an Spirituosen anzuhäufen, denn die wird man brauchen – sei es, weil man auf den Erfolg trinken oder weil man vor Frust nicht weiterwissen wird. Ich habe anfangs vermutlich hundert Mal täglich bei Amazon nachgesehen, ob neue Bewertungen hochgeladen wurden und bei jeder neuen Rezension bin ich innerlich immer ein bisschen vor Angst gestorben, also, ja – das Feedback wird uns Autoren immer wieder in ein emotionales Chaos stürzen, aber das ist es wert 😊


Kommentare