Selfpublishing: Lohnt sich die Teilnahme am KDP Select?



Hallo liebe Leser,


häufig erreicht mich auf Instagram die Frage, ob sich meine KDP Select-Mitgliedschaft auf Amazon lohnt, wie viel man pro gelesene KENP verdient oder ob ich dieses Programm empfehlen würde.

Da sich all diese Fragen zu diesem Themenkomplex nicht in einer Instagram-Story erläutern lassen, habe ich mich dazu entschieden, einen Blog-Beitrag zu schreiben und meine persönlichen Erfahrung mit KDP Select zu teilen.

Das KDP Select-Programm ist nur für die Selfpublisher relevant, die bei Amazon veröffentlichen (möchten) und gilt nur für eBooks. Wer bei Amazon ein eBook veröffentlichen will, wird sich die Frage stellen müssen, ob er sich am KDP-Select beteiligen möchte. Diese Teilnahme ist selbstverständlich mit Vor-und Nachteilen verbunden und lohnt sich sicherlich nicht für jeden. Für manche Autoren kann diese Teilnahme jedoch von großem Vorteil sein. 


Was ist KDP Select?

Dazu schreibt Amazon: 

Wenn Sie sich dazu entschließen, ein Buch bei KDP Select anzumelden und es somit mindestens 90 Tage lang exklusiv im Kindle-Shop zu verkaufen, wird das Buch zudem ins Kindle Unlimited-Programm (KU) und in die Kindle-Leihbücherei (KOLL) aufgenommen. Sie können somit einen Anteil am KDP Select-Fonds erzielen, der davon abhängt, wie viele Seiten Ihres Buchs von KU- oder KOLL-Kunden gelesen wurden.“

Diese Formulierung hat mich anfangs sehr verwirrt und ich habe erst Monate nach Teilnahme an KDP Select begriffen, worum es eigentlich geht. Wichtig für jeden Autoren, der sein eBook bei KDP Select anmeldet, ist, dass er sich für 90 Tage exklusiv an Amazon bindet. Es ist somit verboten, sein eBook (! Das gilt also nicht für gedruckte Bücher!) bei BoD oder sonstigen Anbietern bis zum Ablauf dieser 90 Tage anzubieten. Das Ausmaß der hierfür drohenden Bußgelder konnte ich nicht in Erfahrung bringen, bin aber davon überzeugt, dass ein Gerichtsverfahren gegen Amazon keine angenehme Angelegenheit wäre.

Gut – das bei KDP Select angemeldete Buch wird in das Kindle Unlimited-Programm (KU) und die Kindle-Leihbücherei (KOLL) aufgenommen. 

Das scheint so weit einleuchtend, aber dann geht es weiter mit dem sog. KDP Select- Fond und schon schwirren erneut viele Fragezeichen in der Luft. Offenbar gibt Amazon jeden Monat ein bestimmtes Budget frei, an dem sich die KDP Select-Teilnehmer bedienen können. Ich stelle es mir vor als einen riesigen Kuchen, von dem jeder aus dem KDP Select-Programm ein Stück bekommt – oder auch keins, wenn keine einzige KENP seines Buches gelesen wird.


Kurzer Exkurs zu den sog. KENP:

Dieses Kürzel steht für „Kindle Edition Normalized Pages“. Wenn ein Autor sein Buch als eBook hochlädt (unabhängig von KDP Select), wird der Text in eine leserfreundliche Kindle-Version umgewandelt. Daher wird ein eBook, das bei Amazon hochgeladen wurde, meistens eine andere Seitenzahl aufweisen als die gedruckte Version. 

Beispiel: „Verfall – Band 1“ hat 229 Seiten als Taschenbuch und 231 KENP als eBook. In meinem Falle weichen die beiden Seitenzahlen nicht stark voneinander ab, was nicht immer der Fall sein muss.


Wie viel kann ich an der Teilnahme am KDP Selected verdienen?
Woher weiß ich denn nun beim Setzen des Häkchens für die KDP Select-Mitgliedschaft, ob sich die oben genannte exklusive Bindung an Amazon lohnen wird? Woher weiß ich, wie viel ich pro gelesene KENP bekomme?

Weiß ich nicht.

Der Betrag des in den Fond investierten Geldes durch Amazon wird nämlich erst ein Monat später bekanntgegeben. So bekam ich am 15.12.2017 folgende E-Mail von Amazon: 

„Guten Tag,
die Gesamtsumme des KDP Select-Fonds für November [2017] beträgt 16,8 Millionen €.“

Wir erfahren also erst im darauffolgenden Monat, wie viel Geld in den KDP Select Fond, von dem wir unser Geld für die KDP Select-Teilnahme bekommen, fließen wird. Man könnte an dieser Stelle anmerken, dass die Teilnahme am KDP Select deshalb als riskant zu bewerten sei, doch in Wahrheit sind die bisherigen Fond-Beiträge recht stabil geblieben. Dennoch bleibt natürlich ein Funke Ungewissheit.

Trotzdem bleibt die Summe 16,8 Millionen Euro noch recht schleierhaft und auch die unter „Berichten“ aufgeführte Zahl der gelesenen KENP sagt nichts darüber aus, was wir am Ende des Monats dafür bekommen werden. Insbesondere im Blog „Selfpublisher Bibel“ werden die Cent/KENP-Werte gesammelt und analysiert. Trotzdem konnte ich mit diesen Zahlen anfangs nichts anfangen, denn als Autor will man rechnen können, wie viel man denn nun am Ende des Monats verdient haben wird. Also habe ich gerechnet:


Berechnung der Tantiemen pro gelesene KENP

Endlich wurde auf der KDP Select-Seite der November 2017 endgültig ausgewertet. Unter KU/KOLL-Seiten stand nicht mehr die Anzahl der gelesenen Seiten, sondern der für diese gelesenen Seiten errechnete Geldbetrag. Da ich meine Einnahmen vor meiner Community nicht verheimliche, gestehe ich hiermit offen und ehrlich:

Es waren 5,68 € für 1795 Seiten.

Mit diesen Werten lässt es sich schon viel eher rechnen, wenn man erfahren will, wie viel man pro gelesene KENP bekommt. Man rechne folgend: 5,68 : 1795 = 0,00316.

Dieser Wert bedeutet im Endeffekt, dass Amazon im November 2017 pro eine KENP 0,00316 € bezahlt hat. Hört sich nach ganz schön wenig an, aber man betrachte die Relation:


KDP Select vs. gewöhnliche Amazon-Verkäufe

Für eine gedruckte Version von „Verfall – Band 1“, die ich für 7,99 € anbiete, erhalte ich 1,13 €.

Für eine eBook-Version, die ich für 0,99 € anbiete, erhalte ich 0,29 €

Mein Buch hat 231 KENP, was bedeutet, dass ich – folge ich den für November 2017 
errechneten Tantiemen pro KENP, indem ich 231 x 0,00316 multipliziere – auf einen Wert von: 0,73 € komme.

Es lohnt sich für mich als Autorin also eher, wenn die Leser mein eBook leihen, anstatt es zu kaufen.


Hat sich KDP Select für „Verfall – Band 1“ gelohnt?

An dieser Stelle ist für mich ganz klar, dass sich das KDP Select-Programm für „Verfall – Band 1“ lohnt. Hierbei handelt es sich dennoch um einen individuellen Einzelfall, denn würde ich für das eBook mehr verlangen, so würde ich auch der Tantiemensatz pro verkauftes eBook steigen und damit wäre die Differenz zwischen verkauften sowie geliehenen eBooks natürlich eine andere. 

Wer also die Select-Mitgliedschaft bei Amazon erwägt, sollte seine KENP-Zahl (sie steht übrigens unter „Produktinformation“, wenn man sein eBook bei Amazon aufruft) mit einem Tantiemen-Satz der Vormonate multiplizieren.

Ich habe an dieser Stelle für November den Wert von 0,00316 errechnet. Manch einer gibt aber auch den Wert 0,0033 als „Mittelwert“ an. Ganz genau wird man es nicht wissen, bis man am 15. des Monats sieht, wie viel Geld man für die Entsprechende gelesene KENP-Zahl erhalten hat, aber ungefähr kann man es einschätzen.


Wie viel machen die Einnahmen anhand von  KDP Select am Ende des Monats aus?

Trotz der klaren Zahlen bleibt die Frage nach dem Verhältnis zu den Buchverkäufen, bzw. den Gesamteinnahmen. Tatsächlich macht inzwischen mein KDP Select-Erlös etwa 30-40% meiner Tantiemen aus, worin ich definitiv einen recht großen Vorteil des Programms sehe.


Für wen lohnt sich KDP Select?

Die Teilnahme an KDP Select kann sich, meiner Ansicht nach, besonders für Anfänger lohnen. Als neuer Autor muss man sich erst etablieren und bei dem riesigen Angebot von Büchern, das bei Amazon zu finden ist, wird der Leser auch bei einem eBook für 0,99 € kniesteln können. Hat der Leser aber kostenlosen Zugriff auf ein Buch, wird ihn bei Interesse nicht mehr viel vom Lesen abhalten können. So gewinnt man als Autor schneller Leser und wenn man Glück hat, erste positive Bewertungen, die für den Erfolg unentbehrlich sind. 

Auch bei den Rankings, die man als Amazon-Autor einfach nicht aus den Augen lassen kann, spielt KDP Select eine große Rolle, denn wird ein Buch zu Ende gelesen, geht es als Verkauf in das Ranking ein.

Amazon ködert hierbei auch mit saftigen Prämien für Autoren, die innerhalb des KDP Select besonders hohe Verkaufszahlen erreicht haben. Die Wenigsten werden diese Prämien erhalten, aber die Chance besteht.

Dann gibt es noch Vorteile wie: „Wenn Sie sich für KDP Select entscheiden, haben Sie außerdem Zugriff auf verschiedene Werbetools, darunter Kindle Countdown Deals und Gratis-Werbeaktionen. Sie können ein einzelnes Buch, Ihren gesamten Katalog oder eine Kombination aus beidem anmelden.“ (Informationstext von der KDP-Webseite)

Trotzdem bleibt der Exklusivitätsanspruch für die Teilnehmer des KDP Select-Programms ein Dorn im Auge. Amazon beschenkt uns eben nicht, Amazon gibt uns eine Chance, unsere Bücher zu veröffentlichen und verdient dabei an den Veröffentlichung. Es ist gegebenenfalls in meinen Augen ein fairer Tausch, aber jeder muss sich selbst die Frage stellen, ob er bereit ist, sich für die Vorteile des KDP Select-Programms für 90 Tage exklusiv an Amazon zu binden. Das muss aber keine Entscheidung für die Ewigkeit sein, denn das Häkchen kann jederzeit entfernt werden.











Quelle: https://kdp.amazon.com/de_DE (letzter Zugriff: 09.01.2018 um 18:34 Uhr)

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