Leseprobe #1 - Überarbeitet und lektoriert.



Liebe Leser, 
ich habe den Entschluss gefasst, in möglichst regelmäßigen Zeitabständen, Leseproben von Verfall  - Band I hochzuladen. Dieser Blog wird so neben Instagram hoffentlich bald mein zweiter Stützpunkt für Neuigkeiten über mein entstehendes Buch. Wer mehr über Verfall wissen will, kann unter "Klappentext" unter älteren Beiträgen nachlesen, worum es geht. Weitere Updates sind bei Instagram unter @aprilnierose zu finden. Bei Fragen und Anregungen bin ich über PN bei Instagram oder unter aprilnierose@gmail.com erreichbar.
 Da die spannendsten Stellen zu viel spoilern würden, werde ich nur die ersten Ausschnitte posten können, aber keine Sorge - ich habe versucht, Spannung aufzubauen und die zentralen Konflikte bereits am Anfang zu beleuchten. 
Zu Band II, der parallel zum Lektorat des ersten Bandes in Arbeit ist, kann ich sagen, dass ich dort im Vergleich zum zweiten Band deutlich die Spannung steigern werde ;)
Das voraussichtliche Erscheinungsdatum des ersten Bandes ist für Ende August 2017 geplant, aber vermutlich schaffe ich es früher! :)
Viel Spaß mit den Leseproben.

Eure April Nierose!








-2017-



Es war ein hässlicher Morgen, der lange kein Morgen mehr war. Hanna wehrte sich gegen die Sonnenstrahlen, die durch die Jalousien drangen und sie in unregelmäßigen Zeitabständen weckten, indem sie sich unter der Decke vergrub. Sie wollte nicht aufstehen, weil sie sich nichts von diesem Tag versprach. Ihre Kopfschmerzen waren der Vorwand, um liegen zu bleiben, doch nach einiger Zeit fiel ihr selbst das Liegen zur Last. Sie konnte nicht den ganzen Tag im Bett verbringen, selbst dort hielt sie es nicht lange aus.
Sie schubste das Kissen von sich weg, sodass es zu Boden fiel und setzte ihre Füße daneben. Dabei fiel etwas klirrend um. Das Geräusch des auf das Parkett prallenden Glases durchzog jeden Nerv ihres Kopfes und hallte leiser werdend in ihr nach. Ohne den Drang, den Gegenstand aufzuheben, rieb sie sich die Augen und sah nach unten. Es war eine leere Wodkaflasche, die nun vor ihr auf der Seite lag und langsam hin und her rollte. Sie stupste sie mit einem Fuß an. Die Flasche rollte langsam unter ihren Schreibtisch, wo sie, nachdem sie auf einen Widerstand getroffen war, verstummte.
Hanna gestaltete ihren Morgen wie gewohnt: Nach dem sie dem Kleiderschrank beliebige Kleidungsstücke entnommen hatte, betrat sie das Badezimmer. Sie duschte heiß und lange, um sich von der vergangenen Nacht zu reinigen. Sie musste sich von vielem reinwaschen. Verdammter Gelegenheitssex; gelobter übermäßiger Alkoholkonsum, der für Filmrisse sorgte, damit sie sich für nichts schämen konnte, weil sie nicht mehr wusste, wofür es sich zu schämen gab.
Erst nach dem Reinigungsritual wagte sie einen Blick in den Spiegel. Ihre Lider waren gerötet und geschwollen, die Haut blass und trocken. Nie hätte sie damit gerechnet, jemals so erschöpft auszusehen. Ihr Blick strahlte etwas Kluges aus. Dazu war sie noch immer hübsch, obwohl sie in kaum einer schlechteren Verfassung sein konnte. Sie war sich dessen bewusst, welche Konsequenzen und Risiken ihre neue Lebensweise barg. Sie wusste, dass all das kein gutes Ende für sie nehmen konnte, doch sie hatte sich mit den Umständen abgefunden, weil sie bereits zu tief in diesem Sumpf gefangen war. Sie würde es so lange ertragen können, wie es Alkohol gab. Dabei hatte sie alle Möglichkeiten, ihr Leben zu ändern, doch sie hatte längst den Willen verloren, es zu versuchen. Sie hatte sich mit allem abgefunden, was noch kommen könnte, während es ihr gar nicht lag, auf wundersam unerwartete Wendungen zu hoffen, überhaupt lag ihr das Hoffen nicht.
Ihr Umfeld würde einst ihr verschwendetes Leben und ihr Potenzial beklagen, doch es spielte keine Rolle, was das Umfeld sagte oder sagen würde. Sie maß dem keine Relevanz zu.
Sie öffnete den Spiegelschrank. Das morgendliche Ritual setzte sich fort: Alles, was nicht gesehen werden sollte, wurde korrigiert, wurde übertüncht. Im Grunde genommen, waren es nur die Augen, die besonders stark geschminkt werden mussten. Der Rest war unwesentlich. Etwas Rouge, um frisch auszusehen und das neue Gesicht war fertig. Das Schminken bereitete ihr keine Freude, aber es war ein notwendiges Übel, um ihre Lebensweise zu verbergen. Es funktionierte.
Hanna begab sich in die Küche, wo sie sofort die Kaffeemaschine betätigte. Sie wusste, sie würde keinen Tag ohne die Drogen des Alltags überleben. Der Kaffee hielt sie wach, die Zigaretten hielten sie für eine gewisse Zeit ruhig. Sie wollte sich nicht vorstellen, was sie ohne diese Alltagshelfer geschehen würde.

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